JETZT-LEBEN Gedanken zum Shutdown

JETZT-LEBEN Gedanken zum Shutdown

22. März 2020 0 Von Birgit

Vor ein paar Wochen hat uns der Klimawandel noch beschäftigt …

Vor ein paar Monaten haben uns noch die Buschfeuer in Australien beschäftigt …

Vor einem Jahr hat uns noch der brennende Amazonas beschäftigt …

Und seit ein paar Jahren beschäftigen uns einmal mehr, dann wieder weniger, die Flüchtlingsströme…

Und JETZT deckt die COVID 19 Pandemie all diese noch vor kurzem gegenwärtigen Themen einfach zu.

Wir machen die Grenzen dicht und konzentrieren uns wieder auf das “Good old Austria”. Nach den anfänglichen Panikkäufen von Klopapier & Co., machen wir nun die Wohnungstüre zu und warten mal ab.

So und was jetzt?

Ich bin derzeit selbständig arbeitslos. Ich habe nun viel Zeit. Haben wir uns nicht genau das schon lange gewünscht? Zeit zu haben für unsere Hobbys, unsere Freunde und natürlich zum Reisen. Corona macht zumindest das mit dem Zeitfaktor möglich. In ein paar Wochen werde ich wahrscheinlich sämtliche Fotos sortiert, Kleider- und Schuhkästen ausgemistet, die Kellerregale 3x umgeschlichtet und in Küche und Bad mindesten 2x Frühjahrsputz gemacht haben.  Soweit so gut.

Währe da nicht dieser Virus, den niemand sieht, hört, riecht und trotzdem allgegenwärtig ist. Der hat uns zur Zeit fest im Griff. Subtil und unterschwellig bahnt er sich sein Unwesen durch unser System. Hier und da flammt er auf und treibt uns zu unmotivierten Handlungen. Bei mir äußert er sich manchmal in Schlaflosigkeit.

Ich sprechen hier nicht vom Covid 19 Virus. Ich spreche von der Angst. Gefolgt von Misstrauen, Neid und Habgier. Dieses Virus existiert länger als Corona, die Schweine-oder die Spanische Grippe unter uns. Sogar länger als die Pest und es verbreitet sich gerade wieder mehr denn je. Vielleicht ist das, das eigentliche Virus den es zu bekämpfen gilt. Denn als Nicht medizinisches oder im Lebensmittelhandel tätiges Personal, können wir nur stillhalten. Und genau dieses Stilhalten, zu Ruhe kommen und sich mit unseren Gedanken zu konfrontieren das kann Angst machen. Stille aushalten oder die Enge eines Wohnzimmers, in dem seit einer Woche unausgelastete Kinder toben. Die ständige Nähe zu einem Partner oder die Einsamkeit.

Daneben die Ängste, mögliche Engpässe die Versorgung betreffend:

Wird noch genug im Supermarkt sein wenn ich erst um 10.oo Uhr einkaufen gehe. Bekomme ich noch all meine Medikament und wenn wie lange noch? Wird das Mobilfunk Netz den Anforderungen Stand halten, um mit meinen Freunden zumindest virtuell zu kommunizieren. Werde ich im Stande sein meine Miete zu zahlen. Lernen meine Kinder genug ohne Kontrolle der Schule. Werden meine Eltern oder ich erkranken, werden wir alle sterben?

Die bittere Wahrheit ist:  JA wir werden sterben.  Die einen früher die anderen später. Ob an Corona oder eines natürlichen Todes. Sind wir uns unseres fragilen Systems und unsere Endlichkeit wirklich so wenig bewusst.? Warum klammen wir uns so an das Leben, an Materielles, an unseren Körper?

Vielleicht braucht die Welt Corona, denn der Klimawandel, die Buschfeuer und die Flüchtlingskrisen sind nicht ausreichend, um uns in unserem hektischen Tun zu stoppen.

Corona = Reset

Nach dem mathematischen Prinzip kann eine Gleichung mit 2 Unbekannten nur gelöst werden, mit einer zweiten Gleichung mit 2 Unbekannten. Doch welche könnte das sein? Welche Faktoren brauchen wir in dieser zweiten Gleichung, um ein für die Menschheit positives Ergebnis zu erzielen?

Vielleicht sind Dankbarkeit, Achtsamkeit, Zuversicht, Vertrauen, Bescheidenheit, Solidarität Faktoren, die zu einem wünschenswerten Ergebnis führen?

Auch die Frage nach der Konsequenz, die jeder Einzelne für sich aus dieser Krise ziehen kann, ist interessant.

Sind wir belehrbar? Sind wir wirklich lernwillig? Von unseren Kindern verlangen wir es jedenfalls.

Möglicherweise ist das alles schon viel zu weit gedacht und der Schlüssel liegt ganz wo anders. Im Jetzt.

Jetzt die Zeit die wir mit unseren Lieben und unseren Kindern nutzen können. Uns zuzuhören, unseren liebsten Menschen sagen und zeigen wie sehr wir sie schätzen. Unsere Ängste aussprechen, unsere Verwundbarkeit offen darzulegen und uns dem jeweiligen Moment ganz intensiv widmen. So als wäre es unser Letzter.

Manche asiatischen Lehren sprechen auch vom “Leben im Moment”. Vielleicht ist es aber einfach nur Leben!